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Erlebnisbericht von Karsten: Mailand - SanRemo 295km 1700hm
Der Gedanke an einem Straßenrennen teilzunehmen schwirrte mir schon eine ganze Weile durch den Kopf. Der Radsportklassiker MILANO - SANREMO, das Lieblingsrennen von Erik Zabel, wird auf der Original Profistrecke einmal im Jahr auch von den Hobbyradsportlern gefahren. Zusammen mit Walter meldete ich mich also zu diesem internationalen Jedermannrennen in Italien an. Walter nahm bereits zum achten mal daran teil - also musste es ja wohl riesigen Spaß machen.
Auf gings nach Italien. Am Abend nach der Anreise hatten wir noch etwas Zeit uns Mailand anzuschauen. Besonder sehenswert natürlich der Dom und die überdachte Marktpassage.
Mailand-SanRemo 2006
Am nächsten Morgen war frühes aufstehen angesagt. Ein reichliches Frühstück und ein riesiger Teller Nudeln sollten die notwendige Energie für die fast 300km lange Strecke nach Sanremo bereitstellen.

Jetzt waren noch die Taschen im Bus zu verstauen, die Räder auf 10 bar aufzupumpen und zu kontrollieren ob die Trinkflaschen in der Halterung gut befestigt waren.
Nach einem kurzen Fotoshooting ging es dann mit dem Rad zum Startplatz - eine gute Gelegenheit schon mal etwas einzurollen.
Die heißbegehrten vorderen Startplätze waren natürlich schon weg, obwohl wir fast eine Stunde vor dem offiziellen Start da waren.
Kurz vor dem Start stieg die Aufregung und damit der Puls schon auf 130 Schläge pro Minute.
Mein erstes Jedermannrennen ging los - jetzt war Konzentration und vor allem Höchstleistung gefragt.
Schnell hatte das Feld eine sagenhafte Geschwindigkeit von 50km/h erreicht. Die Abrollgeräusche der vielen hundert Reifen vor, neben und hinter mir trieben mir eine Gänsehaut auf den ganzen Körper. Es war ein überwältigendes Gefühl in so einem riesigen Fahrerfeld mittendrin zu stecken.
An Engstellen mußte immer wieder scharf gebremst werden und wieder beschleunigt werden. Dann flogen auch schon die ersten Trinkflaschen durch die Gegend, wohl dem der seine Flaschen gut befestigt hatte.
Die Bodenunebenheiten waren an manchen Stellen so stark, das sich bei einigen Fahrern sogar die Trinkflaschen mit samt Halter verabschiedet hatten. Das war wohl auch der Grund für die ersten Stürze, von denen ich Gott sei Dank verschont blieb.
Auf dem ersten Teilstück hatte ich wohl schon das Gefühl für Zeit und Entfernung verloren. Nach "gefühlten 30km" verriet mir mein HAC4-Fahrradcomputer, das wir bereits 100km zurückgelegt hatten. Die Kilometer purzelten nur so und es ging mit rasanter Geschwindigkeit auf den Turchino-Pass zu.
Beim Anstieg zum Turchino bei Kilometer 146 wurde das Feld dann gnadenlos auseinandergerissen. Obwohl der Berg nicht besonders steil war trennte sich hier die Spreu vom Weizen.
Noch schnell durch einen Tunnel und dann ging es auch schon hinab zur Mittelmeerküste. Die Temperatur stieg innerhalb kurzer Zeit um fast 10°C an. Ich brauchte etwas zu trinken. Da ich leichtsinnigerweise an der Verpflegungsstelle vorbei gefahren bin, hatte ich jetzt ein kleines Problem. Ich sah ein paar Italiener mit Wasserflaschen am Straßenrand stehen und hielt kurzerhand an. Hilfsbereit wie die waren halfen Sie mir die Wasserflaschen zu füllen und schon konnte es genau zum richtigen Zeitpunkt weitergehen. Eine etwa 15 Mann starke Gruppe kam gerade vorbei, der ich mich dann sofort anschließen konnte. Die Gruppe war sich allerdings nicht einig, wer die Führungsarbeit machen sollte. Immer wieder musste ich selbst die Führungsarbeit übernehmen, damit es voran ging. Für das Betrachten der schönen Mittelmeerlandschaft blieb kaum Zeit.

Bei Kilometer 196 war dann das Auftanken an der Verpflegungsstelle noch mal sehr wichtig. Es warteten noch ein paar kleine Anstiege auf uns. Capo Cervo, Capo Berta, Cipressa und Poggio waren zwar nur kleinere Hügel, diese mutierten aber durch die bis dahin gefahrene Strecke von 250km zu richtigen Bergen.
Vor der Cipressa "vernaschte" ich dann noch eine große Portion Power Gel. Das Kohlenhydratgel verfehlte seine Wirkung nicht, denn ich konnte auf den beiden letzten Anstiegen noch jede Menge Fahrer überholen.
Nach 8:42:25h bin ich dann überglücklich am Ziel in Sanremo angekommen. Platz 45 in meiner Altersklasse - das war doch fürs erste Rennen garnicht schlecht.
Wenig später machte ich es mir dann vor dem Hotel bequem und wartete mit dem Fotoapparat auf Walter - eine perfekte Einfahrt zum Hotel nicht wahr ?:

Es war ein tolles Gefühl in dem Hotel zu wohnen in dem auch die Profis nach dem Rennen nächtigen. Vom Hotelfenster aus bot sich ein perfekter Blick aufs Mittelmeer:
Mailand - Sanremo ein wirklich tolles sportliches Erlebnis...
Turchino 532m
Capo Berta 130m
Cipressa 240m
Poggio 162m