Erlebnisbericht von Karsten: 24h Rad am Ring 487km 10500hm
Über 10000 Sportler hatten sich an diesem Wochenende eingefunden um verschiedene Wettkämpfe auf der traditionsreichen Rennstrecke am Nürburgring auszutragen.
Vom Team Einklang-Hennef waren (von rechts nach links) Heiko, Benjamin, Walter, Marcel, Jana und Karsten mit dabei. Andreas war auch dabei, ist auf diesem Foto leider nicht zu sehen - aber dazu später. Jana, Marcel und Benjamin wollten mit dem Nordschleifen-Tourenfahren die Grüne Hölle mal von der angenehmen Seite kennenlernen. Andreas hatte sich vorgenommen das 70km Jedermannrennen zu absolvieren. Heiko und Walter nahmen bereits zum zweiten mal das 140km Jedermannrennen in Angriff.
Ich hatte mir wohl meine bisher größte persönliche Herausforderung ausgesucht und startete beim 24h Radrennen als Einzelfahrer. Wir waren extra mit einem großen Wohnmobil angereist, indem das Betreuerteam schlafen und auch mal Nudeln zubereiten konnte. Nach dem Empfang der Startunterlagen, dem Zusammenbau der Räder und dem Anbringen der Startnummern ging es dann kurz nach dem Mittag auch schon zum Start.
Geschwindigkeit:
Leistung:
Herzfrequenz:
Temperatur:
max: 92,0km/h
max: 404W
max: 159bpm
max: 18°C
mittel: 20,52km/h
mittel: 167W
mittel: 123bpm
mittel: 11°C
min: 7°C
Vor dem Start wurde das Team Einklang-Hennef von Fernsehreportern umringt. Heiko gab kurz vor dem Start noch ein Exklusivinterview.
Die Strecke:
Eine Runde Nordschleife zuzüglich dem Stück auf der Grand Prix Strecke und durchs Fahrerlager ergibt genau 23,096 Kilometer und 500 Höhenmeter.
Zehn Kilometer davon geht es mit bis zu 17 Prozent Steigung bergauf und zwölf Kilometer bergab. Der Rest also ca. ein Kilometer geht ausnahmsweise mal ohne Steigung durch die Start und Zielgerade.
Der längste Anstieg geht mit etwa 4,9km Länge hinauf zur "Hohen Acht" mit einem extrem steilen etwa 400m langen Schlussanstieg. Die schnellste Abfahrt mit etwa 10 Prozent Gefälle befindet sich im Streckenabschnitt "Fuchsröhre".
So kurz vor dem Ende dieser langen Fahrt stieg in mir eine regelrechte Euphorie auf. Ich war auf einmal wieder total fit und beschloss noch eine Runde mehr als geplant zu fahren. Die Schmerzen und der nächtliche Kampf waren irgendwie schon soweit weg.
Die kleinen giftigen Steigungen nach den Abfahrten konnte ich jetzt wieder mit Schwung und auf dem großen Kettenblatt "rüberdrücken". Ich hatte wieder großen Spaß beim Durchfahren der Kurven.
Das Fahrrad glitt wie von Geisterhand angetrieben über die Rennstrecke.
Ein Glücksgefühl, das man schwer beschreiben kann. Man muß dieses Gefühl einfach erlebt haben.
Irgendwie war ich jetzt auch unglaublich Stolz so viele Kilometer auf dieser schweren aber auch wunderschönen Strecke geschafft zu haben.
Diese Strecke 24h lang immer wieder zu durchfahren ist eine echte Herausforderung. Ich hatte mich mit 10000 Trainingskilometern seit Anfang des Jahres intensiv auf dieses Radrennen vorbereitet und war deshalb zuversichtlich das ganze durchstehen zu können.
Ich hatte mir immer wieder versucht vorzustellen wie es wohl sein mag so lange im Sattel zu sitzen und zu fahren, zu fahren und immer noch zu fahren. Nun war es endlich so weit und ich fuhr und fuhr und fuhr...
Das es mitten im Hochsommer jedoch so unangenehm kalt und regnerisch sein kann, das hatte ich nicht unbedingt erwartet. Die Temperatur sank stellenweise bis auf 7°C ab. Es fühlte sich an wie im Winter.
Das Hinterrad schleuderte das Wasser nach oben und sorgte dafür, das der Körper auch hinten anständig naß wurde. Der Sportfotograf hat das hier wirklich sehr gut eingefangen. Auf regennasser Fahrbahn war jetzt besondere Vorsicht geboten - die kurvenreichen Abfahrten konnten nur noch mit niedriger Geschwindigkeit durchfahren werden.
Bei diesem Sauwetter noch 22h weiterfahren zu müssen, versuchte ich mir in diesem Moment lieber nicht vorzustellen. Ich versuchte stattdessen daran zu denken, wie schön es sein wird, wenn es irgendwann aufhört zu regnen und es wieder richtigen Spaß machen wird mit einem ordentlichen Tempo um die Nordschleife zu fahren.
Der kalte Regen hatte aber auch den Vorteil, das ich den sonst gefürchteten Anstieg zur "Hohen Acht" herbeisehnte, weil es die einzige Chance war, zwischendurch einmal warm zu werden. Überhaupt gab es viele gute Gründe sich das ganze schön zu reden und der wichtigste Grund war der Wille mindestens 20 Runden zu schaffen.
Meine Taktik für möglichst langes Durchhalten war ein möglichst gleichmäßiges Tempo im optimalen Fettstoffwechselbereich zu fahren, also mit einem Puls zwischen 120 und 140 Schlägen pro Minute.
Es ist natürlich gerade zum Anfang schwierig sich von den schnellen Teamfahrern nicht zu einem hohen Tempo verleiten zu lassen. Da die Teamfahrer meistens eine Runde fahren und dann vom nächsten Fahrer abgelöst werden, rasen die natürlich mit einer ganz anderen Geschwindigkeit um die Nordschleife.
Die ersten acht Runden bin ich wie geplant ziemlich genau eine Runde pro Stunde gefahren. Noch lag die gefühlte Anstrengung im normalen Bereich. Es wurde langsam dunkel und ich wollte die Beleuchtung einschalten. Dabei versagte durch die viele Feuchtigkeit mein Rücklicht. Vielen Dank unseren Standplatznachbarn, die mir freundlicherweise ein Rücklicht leihen konnten.
Nach einem kurzen Zwischenstopp am Wohnmobil zum Nudeln essen und zum warmen Sachen anziehen ging es dann von der 9. bis zur 15.Runde in die Nacht hinein.
Ein unbeschreibliches Erlebnis die Nordschleife in der Nacht zu erleben. Aus fast völliger Dunkelheit kommend in die flutlichtartig beleuchtete Fuchsröhre mit 80-90 Sachen hineinzufahren, das ist der absolute Wahnsinn.
So war in der Nacht vom Gefühl her alles dabei - Adrenalin, Glücksgefühl, Ruhe (die Ruhe in der Nacht wurde nur durch Kettensurren oder den Geräuschen der im Wald lebenden Tiere durchbrochen), Stimmung bei der Fahrt durchs Fahrerlager und leider auch das Gefühl der totalen Erschöpfung. Das Wechselspiel von Licht und Schatten durch die Fahradscheinwerfer ließ die Nacht in einer verwirrenden und geisterhaften Kulisse erscheinen.
Mein Körper wurde auf "Sparflamme" gestellt - ob ich wollte oder nicht. Mehr als 120 Puls waren nicht mehr hinzubekommen. Das bedeutete dann für die Runde zeitmäßig so um die 01:15h und am 17%-igen Schlussanstieg zur Hohen Acht nur noch 5km/h.
Ich habe aus Angst vor einem Hungerast pausenlos Kuchen, Schokolade, Kohlenhydratgel in mich "hineingeschaufelt" aber irgendwie wollte das alles nicht mehr in den Beinen ankommen. Jetzt begann der Kampf mit dem ständigen bergauf und bergab der Strecke richtig schwer zu werden. Der Körper sendete eindeutige Signale, das die Belastung behutsam zu erfolgen hat. Müdigkeit, im Sinne von schlafen wollen, ist auf dieser Strecke eigentlich kein Thema, da der Körper bei den rasanten Abfahrten immer wieder rechtzeitig mit Adrenalin versorgt wird. Ermüdung der Muskeln ist dagegen schon ein aktuelles Thema. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, an dem ich nur noch mit dem Kopf weiterfahren konnte.
Auch das gehört schließlich zu einem 24h Rennen dazu:
Von der 16.Runde bis zur 19.Runde war es dann einfach nur noch eine eeeeeelende Quäääääääälerei.
Am nächsten Morgen gegen 10:00 Uhr war dann offensichtlich das viele Essen endlich in den Beinen angekommen. Die 20. Runde konnte ich dann noch mal richtig Gas geben.











Mit Jana meiner wichtigsten Betreuerin fuhr ich nach 23:44:21 Stunden über den Zielstrich. Ohne ihre Unterstützung und ihre aufmunternden Worte in den schweren Stunden hätte ich dieses Rennen wohl nicht durchstehen können.
Auch Walter, Marcel, Benjamin und Heiko als "Nudelkoch" haben einen wesentlichen Anteil an diesem erfolgreichen 24h-Rennen. Es war eben ganze Teamarbeit.
Der 29. Gesamtplatz fürs erste 24h Rennen und Platz 13 in der Altersklasse ist angesichts des großen internationalen Starterfeldes ein voller Erfolg.


Leider konnte von unseren Rennteilnehmern sonst nur noch Heiko das 140 km Jedermannrennen erfolgreich auf dem 43.Platz beenden. Walter hatte das Rennen aufgrund der schwierigen Wetterbedingungen abgebrochen. Andreas konnte tragischerweise nur etwa 7 Kilometer von der grünen Hölle erleben und stürtzte dann nach einem missglückten Bremsmanöver. So hatte unsere Teamchefin Jana nicht nur die Betreuung an der Rennstrecke sicherzustellen, sondern auch mal zwischendurch im Adenauer Krankenhaus. Wie man auf dem Bild sieht, konnte Andreas schon wieder etwas gequält in die Kamera hineinlächeln. Mittlerweile geht es ihm Gott sei Dank schon wieder besser.
Distanz: 21 Runden / 487km / 10500hm
Energieverbrauch: 15000 kcal
Flüssigkeitsverbrauch: 15 Liter
Hier die Daten:
Zeit: 23:44:21h
In der Zwischenzeit hatte sich Marcel mit seinem Mountainbike auf die Nordschleife begeben und wollte mit mir zusammen die letzte Runde fahren. So gab es auf der Abfahrt zur Fuchsröhre noch mal einen spannenden Kampf um die Höchstgeschwindigkeit zwischen Vater und Sohn, den ich erstaunlicherweise trotzt Rennradvorteil nur knapp gewinnen konnte.